top of page

Deckungsbeitrag in der Arztpraxis: Was DB I, DB II und DB III wirklich aussagen

Autorenbild: Team docing
Team docing
19. Sept.
5 Min. Lesezeit

Viel Umsatz – aber was bleibt eigentlich übrig?

Eine Arztpraxis kann einen hohen Umsatz erzielen und trotzdem wirtschaftlich unter Druck stehen.

Umgekehrt kann eine kleinere Praxis finanziell sehr solide aufgestellt sein.

Der Grund ist einfach: Umsatz allein sagt noch wenig über die Wirtschaftlichkeit einer Arztpraxis aus.

Entscheidend ist, welche Kosten entstehen – und was nach diesen Kosten tatsächlich übrig bleibt.

Genau hier werden Deckungsbeiträge interessant.


Kurz erklärt

Ein Deckungsbeitrag zeigt vereinfacht, welcher Teil des Umsatzes nach Abzug bestimmter Kosten noch zur Verfügung steht.

Werden unterschiedliche Kostenblöcke schrittweise abgezogen, entstehen verschiedene Betrachtungsebenen – beispielsweise DB I, DB II und DB III.

Damit lässt sich besser erkennen, an welcher Stelle der Kostenstruktur einer Arztpraxis wirtschaftlicher Spielraum entsteht oder verloren geht.


Was ist ein Deckungsbeitrag?

Das Grundprinzip ist einfach:

Umsatz – bestimmte Kosten = Deckungsbeitrag

Die eigentliche Aussage entsteht dadurch, welche Kosten auf welcher Stufe berücksichtigt werden.

Genau deshalb sollte man bei Begriffen wie DB I, DB II oder DB III immer wissen, wie sie im jeweiligen Berechnungsmodell definiert sind.

Denn die Bezeichnungen werden in der Betriebswirtschaft nicht überall vollkommen identisch verwendet.

Für die Praxisanalyse ist deshalb weniger die Bezeichnung allein entscheidend als die transparent definierte Berechnungslogik.


Warum sind Deckungsbeiträge für eine Arztpraxis interessant?

Nehmen wir zwei Arztpraxen mit jeweils CHF 1 Mio. Jahresumsatz.

Auf den ersten Blick wirken sie wirtschaftlich identisch.

Aber:

Praxis A hat höhere Personalkosten.

Praxis B hat höhere Materialkosten.

Praxis A bezahlt eine höhere Miete.

Praxis B arbeitet mit einer anderen Personalstruktur.

Der Umsatz verrät uns davon nichts.

Erst wenn wir die Kostenstruktur betrachten, sehen wir, wie viel wirtschaftlicher Spielraum auf den verschiedenen Stufen tatsächlich vorhanden ist.

Genau deshalb sind neben dem Umsatz Kennzahlen wie

Personalkostenquote, Mietquote, Materialkostenquote, Gesamtkostenquote, Gewinnmarge und Deckungsbeiträge

für die wirtschaftliche Betrachtung einer Arztpraxis interessant.


Was bedeutet DB I?

Der Deckungsbeitrag I ist die erste Betrachtungsstufe.

Dabei werden vom Umsatz diejenigen Kosten abgezogen, die in der verwendeten Berechnungslogik dieser ersten Stufe zugeordnet sind.

Das Ergebnis beantwortet vereinfacht die Frage:

Was bleibt nach dem ersten betrachteten Kostenblock vom Umsatz übrig?

Je höher der verbleibende Betrag beziehungsweise Anteil, desto mehr steht grundsätzlich für weitere Kostenblöcke zur Verfügung.

Aber Vorsicht:

Ein guter DB I bedeutet noch nicht automatisch, dass die Praxis insgesamt profitabel arbeitet.

Schliesslich sind noch nicht sämtliche Kosten berücksichtigt.


Was bedeutet DB II?

Beim DB II wird die Betrachtung erweitert.

Vom vorherigen Ergebnis wird ein weiterer definierter Kostenblock berücksichtigt.

Dadurch wird sichtbar, wie sich zusätzliche Kosten auf die wirtschaftliche Struktur der Praxis auswirken.

Das ist besonders hilfreich, wenn man verstehen möchte:

Welcher Kostenbereich verändert das Ergebnis besonders stark?

Denn genau darum geht es bei einer mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung: nicht nur zu sehen, was übrig bleibt, sondern auch wo sich das Ergebnis verändert.


Und was zeigt DB III?

Mit dem DB III wird ein weiterer Kostenblock einbezogen.

Damit nähert sich die Analyse schrittweise einer umfassenderen Betrachtung der Kostenstruktur.

Der Nutzen liegt vor allem in der Vergleichbarkeit der einzelnen Stufen:

Wo verliert die Praxis besonders viel wirtschaftlichen Spielraum?

Liegt der auffällige Unterschied bereits zwischen Umsatz und DB I?

Oder verändert sich das Ergebnis vor allem zwischen DB II und DB III?

Diese Betrachtung kann Hinweise darauf geben, welcher Kostenbereich genauer analysiert werden sollte.


Ein einfaches Beispiel

Stellen wir uns eine fiktive Arztpraxis vor.

Jahresumsatz: CHF 1'000'000

Nun werden schrittweise unterschiedliche Kostenblöcke betrachtet.

Nach dem ersten Kostenblock bleiben beispielsweise CHF 650'000.

Nach dem zweiten CHF 480'000.

Nach dem dritten CHF 400'000.

Die entscheidende Information ist nicht nur der letzte Betrag.

Interessant ist vielmehr:

Wo entstehen die grössten Veränderungen?

Genau dadurch wird aus einer einfachen Umsatzbetrachtung eine Analyse der Kostenstruktur.

Die Zahlen dieses Beispiels dienen ausschliesslich der Veranschaulichung und stellen keine Schweizer Branchenwerte dar.


Prozentwerte machen Praxen besser vergleichbar

Absolute Beträge sind wichtig. Für die Einordnung können zusätzlich Quoten hilfreich sein.

Beispielsweise:

Personalkostenquote = Personalkosten ÷ Umsatz × 100

oder

Mietquote = Mietkosten ÷ Umsatz × 100

Dadurch kann eine Praxis ihre eigene Entwicklung auch über verschiedene Jahre hinweg besser beobachten.

Beispiel:

Steigt der Umsatz, steigen aber die Personalkosten deutlich stärker, kann sich die Personalkostenquote verändern.

Die interessante Frage lautet dann nicht nur:

„Was kostet mein Personal?“

sondern:

„Wie entwickelt sich dieser Kostenblock im Verhältnis zu meinem Umsatz?“

Vorsicht bei vermeintlichen Schweizer Benchmarks

Hier ist uns bei docing® Transparenz besonders wichtig.

Im Internet finden sich schnell Aussagen wie:

„Eine Arztpraxis sollte maximal X Prozent Personalkosten haben.“

Solche Werte wirken konkret – können aber problematisch sein.

Denn eine sinnvolle Einordnung hängt unter anderem von Fachrichtung, Leistungsangebot, Praxisstruktur, Personalmodell und Berechnungsmethode ab.

Deshalb sollte immer geprüft werden:

Woher stammt der Vergleichswert? Aus welchem Jahr? Welche Praxen wurden berücksichtigt? Wie wurde die Kennzahl berechnet?

Der Praxiskostenradar arbeitet deshalb mit im Tool hinterlegten Orientierungswerten. Diese sollten nicht mit repräsentativen Schweizer Branchenbenchmarks verwechselt werden.


📊 Und wie sieht das in Ihrer eigenen Praxis aus?

Genau hier wird es interessanter als in einem Blogartikel.

Denn allgemeine Erklärungen können zeigen, wie Kennzahlen funktionieren.

Sie sagen aber noch nicht, wie Ihre eigene Praxis aussieht.

Der docing® Praxiskostenradar berechnet aus Ihren Praxisangaben zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahlen und ordnet diese strukturiert ein.

Als Grundlage dienen insbesondere:

Jahresumsatz · Personalkosten · Mietkosten

Für eine vertiefte Analyse können zusätzlich beispielsweise Materialkosten, weitere Betriebskosten, ärztliche FTE und Mitarbeiterzahl berücksichtigt werden.


Was zeigt der Praxiskostenradar?

Aus den Angaben werden unter anderem Kennzahlen wie

Personalkostenquote

Mietquote

Materialkostenquote

sonstige Betriebskostenquote

Gesamtkostenquote

Gewinnmarge

berechnet.

In der vertieften Analyse kommen unter anderem DB I, DB II und DB III, eine detailliertere Kostenstruktur sowie Szenarioanalysen hinzu.

Der interessante Teil ist dabei nicht nur die Berechnung.

Das Tool soll helfen, Auffälligkeiten sichtbar zu machen und die richtigen nächsten Fragen zu stellen.


Was-wäre-wenn? Oft interessanter als der Ist-Zustand

Eine Praxisanalyse wird besonders wertvoll, wenn man nicht nur zurückblickt.

Was passiert beispielsweise, wenn:

der Umsatz um 5 % steigt?

die Personalkosten steigen?

zusätzliches Personal eingestellt wird?

bestimmte Betriebskosten sinken?

Mit Szenarien lassen sich solche Annahmen mathematisch durchspielen.

Das ist keine Prognose.

Aber es macht sichtbar, wie empfindlich die wirtschaftliche Struktur einer Praxis auf Veränderungen reagieren kann.

Und damit wird aus einer Kennzahl eine Entscheidungshilfe.


Deckungsbeitrag ist nicht gleich Gewinn

Dieser Unterschied ist wichtig.

Ein Deckungsbeitrag betrachtet bestimmte Kostenstufen. Der Gewinn entsteht erst nach Berücksichtigung der entsprechend definierten gesamten Aufwendungen.

Deshalb sollte aus einem positiven Deckungsbeitrag niemals automatisch geschlossen werden:

„Meine Praxis ist profitabel.“

Deckungsbeiträge sind Analyseinstrumente.

Sie helfen zu verstehen, wie sich Umsatz und Kosten zusammensetzen und an welcher Stelle genauer hingeschaut werden sollte.


Häufige Fragen zu Deckungsbeiträgen in Arztpraxen

Was ist der Deckungsbeitrag einer Arztpraxis?

Der Deckungsbeitrag zeigt, welcher Teil des Umsatzes nach Abzug bestimmter Kosten verbleibt. Je nach Berechnungsstufe können unterschiedliche Kostenblöcke berücksichtigt werden.

Was ist der Unterschied zwischen DB I, DB II und DB III?

DB I, DB II und DB III bilden verschiedene Stufen einer Deckungsbeitragsrechnung ab. Mit jeder Stufe werden weitere definierte Kosten berücksichtigt. Da die genaue Zuordnung je nach Berechnungsmodell variieren kann, sollte die verwendete Definition transparent angegeben werden.

Ist ein hoher Deckungsbeitrag automatisch gut?

Ein höherer Deckungsbeitrag bedeutet zunächst, dass nach den auf dieser Stufe berücksichtigten Kosten mehr Umsatz verbleibt. Für eine Beurteilung der gesamten Wirtschaftlichkeit müssen jedoch weitere Kosten und Rahmenbedingungen betrachtet werden.

Welche Kennzahlen sollte eine Arztpraxis kennen?

Neben Umsatz und Ergebnis können unter anderem Personalkostenquote, Mietquote, Materialkostenquote, Gesamtkostenquote, Gewinnmarge und Deckungsbeiträge wichtige Informationen über die Kostenstruktur liefern.

Kann ich Praxiskosten mit anderen Arztpraxen vergleichen?

Vergleiche können hilfreich sein, sofern Datenbasis, Fachrichtung, Zeitraum und Berechnungsmethode vergleichbar sind. Pauschale Durchschnittswerte sollten deshalb mit Vorsicht interpretiert werden.


Zahlen sind erst hilfreich, wenn man versteht, was dahintersteckt

Eine Zahl allein verändert noch keine Praxis.

Aber sie kann eine Frage sichtbar machen.

Warum ist unsere Personalkostenquote gestiegen?

Welcher Kostenblock verändert unseren Deckungsbeitrag?

Was passiert, wenn wir eine weitere MPA einstellen?

Und wie verändert sich unsere Kostenstruktur, wenn der Umsatz wächst?

Der erste Schritt muss deshalb nicht sofort eine grosse betriebswirtschaftliche Analyse sein.

Manchmal reicht es, die eigenen Zahlen einmal strukturiert anzuschauen.

Der docing® Praxiskostenradar macht genau das: Er übersetzt zentrale Praxiszahlen in verständliche Kennzahlen und schafft einen ersten Orientierungspunkt für die weitere Analyse.


Weniger Bauchgefühl. Mehr Klarheit über die eigenen Zahlen. 🧭

Kommentare


bottom of page